Reisebericht Lissabon 2014

Vom 6. - 8. September 2014 nach Lissabon

Das Schönste ist immer die Vorfreude und so hat sich wohl jeder Teilnehmer gefreut. Mancher hat sich bildlich vorgestellt, wie es wohl sein wird in Lissabon. Weg für ein paar Tage an die Sonne, in den warmen Süden, die pulsierende Stadt am Tejo. Ja und es kam gut….
Wie üblich trafen wir uns am Bahnhof Rickenbach-Attikon, Abfahrt dieses Mal erst um 08.28 Uhr. Die letzten Reisen haben wir ja in aller Herrgottsfrühe – Zitat der Reise nach Hamburg im Jahre 2012: „Airport Zürich: Gruppen-Check-In um fünf Uhr vierzig – 05.40!“
Wir starten nun um 11.35 Uhr. Eine kleine Verpflegung wird an Bord serviert. Während der Landung in Lissabon, ca. 13.20 Ortszeit (1 Stunde Zeitverschiebung) sehen wir unter uns die majestätische „Vasco da Gama-Brücke“. Sie ist mit 17,185 km eine der längsten Brücken der Welt und die längste in Europa. Die maximale Spannweite beträgt 420 Meter, die Pylone sind bis zu 155 Meter hoch. Die Brücke wurde (teils privat, teils durch EU-Hilfen finanziert) zwischen 1995 und 1998 zur Weltausstellung Expo 98 erbaut, um die „Ponte 25 de Abril“ sowie weitere Infrastrukturen Lissabons vom Nord-Süd-Verkehr zu entlasten.
Und nun sind wir also im warmen, sonnigen Süden! „seja bem-vindo – herzlich willkommen!“ Der Check-Out verläuft schnell und problemlos und schon bald werden wir von einer deutsch sprechenden Reiseleiterin empfangen mit den Worten: „Interessant, seit Juni hat es hier nicht mehr geregnet und nun kommen die Schweizer … und es tropft. Diese Tatsache sieht sie positiv, denn auch hier braucht es Regenwasser um alles zu regenerieren. Später am Tag, Abend und in der Nacht wird sich dieser Regen noch ziemlich verstärken, was zu diesem Zeitpunkt noch niemand erahnen kann.
Wir werden durch die Stadt chauffiert. Endlich erreichen wir das „Café Nicola“. Dies ist eines dieser typischen Lokale, die einfach Kult sind. Endlich ein Mineralwasser für die einen, ein Bier oder einen landesüblichen Rotwein für die anderen. Das getoastete Brot mit Schinken und Käse ist grosszügig, der Hunger wird gestillt und die Stimmung steigt an diesem langen Tisch, inmitten dieses klassisch gehaltenen Lokals. Eigentlich eine Touristenfalle, die man aber unbedingt erlebt haben muss.
Weiterfahrt. Den ersten Halt legen wir ein beim „Mosteiro dos Jerónimos“ (deutsch Hieronymitenkloster, irrtümlich umgangssprachlich auch Hieronymuskloster genannt). Es handelt sich um ein gigantisches Bauwerk im Stadtteil Belém und gilt als bedeutendster Bau der Manuelinik (König Manuel I., 1495–1521), einer portugiesischen Variante der Spätgotik, die auch einige Elemente der Renaissance enthält. Unter anderem beherbergt es die Sarkophage von Fernando Pessoa, Vasco da Gama (dieser fand – im Gegensatz zu Christoph Columbus – den Seeweg nach Indien und brachte grossen Reichtum für sein Vaterland) und verschiedener portugiesischer Könige. Neben Vasco da Gama liegt Luís Vaz de Camões,  einer der bedeutendsten Dichter Portugals und der portugiesischen Sprache. Camões wird als Nationaldichter Portugals verehrt. Sein Todestag, der 10. Juni, ist zugleich portugiesischer Nationalfeiertag. Wir werden in den Innenhof und durch die weite Parkanlage vor dem 300 Meter langen Gebäude geführt. In den Seitenflügeln befinden sich das Marinemuseum und das Archäologische Museum deren Besichtigung aber zu viel Zeit beanspruchen würde. Das Gebäude überstand das Erdbeben von 1755 ohne größere Schäden, was von einem Grossteil der damaligen Stadt leider nicht behauptet werden konnte.

Nur wenige Meter daneben besichtigen wir – wenigstens von aussen – den „Torre de Belém“ (Turm von Bethlehem) im gleichnamigen Stadtteil an der Tejomündung. Es handelt sich hier um eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons. Die oberste, 35 Meter hohe, freiliegende Etage des Turms ist heute eine Aussichtsplattform.

Einen letzten Stop legen wir in der „Alfama“ ein. Einer der ältesten Stadtteile, in der Nähe des Hafens und einst auch Wohngegend des damaligen Judentums. Viele kleine und versteckte Lokale kann man hier regelrecht entdecken. Hier findet man auch vorwiegend Kellerlokale, Kneipen, die mit „Fado“ um Gäste werben. Die international bekannteste der traditionellen Musikarten in Lissabon ist der Fado; oft mit wehmütiger, teils auch heiterer Grundstimmung gesungen und meist nur von einer klassischen Gitarre begleitet. Fado wird abendlich vor allem in Kneipen der Stadtviertel Bairro Alto und Alfama dargeboten.
Gegen sieben Uhr abends erreichen wir das zentral gelegene „Hotel Lisboa Tejo“. Ein kleines, sauberes und gemütliches Stadthotel im Stadtteil „Baixa“ nahe dem „Rossio“ einem der wichtigsten Plätze in der Innenstadt. Hinter dem Rossio beginnt die „Avenida da Liberdade“. Eine Strasse, die während des ganzen 19. Jahrhunderts öffentliche Flaniermeile der Stadt war, wo sich die feine Gesellschaft traf, um zu lustwandeln. Heute befinden sich an der Avenida die Geschäfte großer Designermarken, und die wohl kosmopolitischste und internationalste Geschäftstraße Lissabons lädt zum Shoppen ein.

 

Wie üblich ist der Samstagabend zur freien Verfügung und so bilden sich bald einmal zwei grössere Gruppen. Unser Reiseleiter führt sein Team in die sehr lebendige Innenstadt in ein bekanntes Restaurant, welches typische Speisen serviert. Die zweite Gruppe hat schon von zu Hause aus ein Lokal gefunden und einen schönen Tisch reserviert. Wir sitzen am Ufer des Tejo, unter der imposanten „Ponte 25 de Abril“. Hier im „Doca de Peixe“ gibt es, wie der Name schon aussagt Fisch. Frisch und einladend auf Eis präsentiert. Alle werden hervorragend bedient und der Hauswein, weiss und rot, passt zu den Speisen. Wahrlich überrascht sind wir auch, als uns die Rechnung präsentiert wird: der Preis für eine Flasche Wein wird mit 11 Euro angegeben. Dieses neu erstellte Vergnügungsviertel im wohlklingenden Stadtteil „Alcantara“ bietet viele Restaurants, Karaokebars und Discos. Es tropft stärker, auch wird es kühler. „Taxi!“ Triefend nass retten wir uns noch in die Bar gegenüber unseres Hotels...
Am Sonntag ist das erste, was wir sofort im Souvenirshop kaufen: ein Regenschirm. Und dies ist auch der Zeitpunkt, an dem es nur noch wärmer und immer sonniger wird. Die nächste wichtige Anschaffung ist – logischerweise – eine Sonnenbrille. Jemand entscheidet sich für pink. Nur um sicher zu gehen, dass alles rosa ist und wunderschön.
Viele von uns besuchen das grosse Aquarium „Oceanario“ beim „worlds fair plaza“, also dem Ort der Expo 98. Über eine Seilbahn (selbstverständlich Schweizer Fabrikat!) erreichen wir die andere Hafenseite. Schon von oben beobachten wir die vielen einladenden Speiselokale und können uns endlich auch für eines entscheiden. Es wird  „baccalao“, Stockfisch angeboten. Ein Gast aus unserer Mitte entscheidet sich sogar für die Version mit drei verschiedenen Zubereitungsarten. Der Mimik zufolge ist dieses Experiment gelungen, das Essen ist hervorragend. Und diesmal kostet der Hauswein sogar nur 8 (!) Euro, was eine zweite Flasche rechtfertigt.
Den Nachmittag verbringen wir in der malerischen Altstadt. Es wird nun richtig heiss, wie wir es uns eigentlich auch vor Abreise erhofft hatten.
Zur gelungenen Überraschung von Reiseleiter Fritz finden wir für das gemeinsame Nachtessen ein wirklich sehr romantisches Lokal. Das Menu entspricht unseren Erwartungen. Es ist sehr gemütlich und die Stimmung unserer 34-köpfigen Gruppe erreicht ihren Höhepunkt. Ein „Happy Birthday“ erklingt: ein sympatischer Gewerbler darf heute seinen Geburtstag feiern. Wieder trennen sich unsere Wege. Eine grössere Gruppe entscheidet sich für den Besuch einer stadtbekannten „Brasserie“ – auch Portugal hat eine Bierkultur!
Am Montag morgen finden wir uns wieder im etwas engen, doch sauberen Frühstückskeller. Wir entscheiden uns, den Blumenmarkt zu besuchen. Etwas enttäuscht über die eher bescheidene Auswahl im sonst imposanten und klassisch gehaltenen Markthallengebäude marschieren wir zum nächsten Ziel: die Burg „São Jorge“. Hier wohnten die christlichen Könige und Araber, und hier kamen die Römer und Westgoten vorbei. Heute wird sie von vielen Besuchern regelrecht belagert. Auf einem der höchsten Hügel der Stadt gelegen ist die Burg in der Landschaft Lissabons omnipräsent. Die Burg mit ihren hohen Mauern ist stiller Wächter der Vergangenheit in herrschaftlichem Glanz. Die Besucher können im Inneren das Ambiente der Stadt aus den vergangenen Epochen erleben. Dies und vieles mehr machen die Burg zu einem der meistbesuchten Monumente.
Unser Mittagessen nehmen wir in einem unscheinbaren Lokal in der „Baixa“ ein. Obwohl nicht auf der Speisekarte erwähnt, erkundigen wir uns nach „sardinas“. Und, oh Freude! wir bekommen eine riesige Platte mit frisch gegrillten Sardinen (nicht zu erwähnen, dass der Hauptgang stolze acht Euro kostet). Diese Spezialität sei für Einheimische reserviert, lässt uns der Kellner wissen. Sympatisch und wir fühlen uns immer wohler!
Am Nachmittag heisst es Abschied nehmen, ein Grossteil will wieder zurück in die Schweiz, Abflug um 19.00 Uhr, Ankunft ca. 22.45 Uhr.

Mehrere Paare haben sich für eine Verlängerung des Aufenthaltes in Portugal entschieden. Ein Quartett fährt im Mietwagen Richtung Süden, Algarve. Eine Übernachtung in einem der herrschaftlichen „Posadas“ ist mit eingeplant. (Pousadas sind vielfach zu Hotels umfunktionierte Paläste und königliche Anlagen, sowie Klöster und andere historische Gebäude. Immer auf einem hochstehenden Niveau geführt.) Ein anderes Paar, identisch mit dem Verfasser des Reiseberichtes, fährt mit dem Mietauto Richtung Norden. Nach gut einer halben Stunde Fahrt über die Autobahn erreichen wir das etwas im Landesinnere gelegene Sintra. Über eine abenteuerliche Strasse erreichen wir den „Parque e Palácio da Pena“. Einzigartig angelegt, ein Vergleich zu „Schloss Neuschwanstein“ in Füssen (D) ist mehr als angebracht. Das kürzlich renovierte Märchenschloss besticht durch seine Grösse und Verspieltheit. Eingebettet in einem sehr grossen und botanisch wertvollen und gepflegten Garten erhebt es sich auf der Bergspitze. Von den Türmen aus sieht man in der Ferne Lissabon auf der einen Seite, den weiten Atlantik auf der anderen. Die Umgebung bietet mit den Ruinen einer Maurischen Festung, dem Kapuziner Konvent, der imposanten Villa Monserrate, dem Nationalpalast von Sintra und dem nicht weniger sehenswerten Palast von Queluz viel Sehenswertes. Doch auch das kulinarische Erbe dieses Landes soll gewürdigt werden und so entscheiden wir uns für ein ausgiebiges Mittagessen in Cascais. Direkt am Meer. Mariscos, Fisch und Meeresgetier, immer frisch zubereitet! Wir folgen der Küstenstrasse. Ein lohnenswerter Zwischenhalt bietet der „Cabo da Roca“ Dies ist der westlichste Punkt des Festlands des europäischen Kontinents. Hier, 140 Meter über Meeresspiegel, wirkt die Küste wild, der Atlantik endlos und am Horizont kann man erahnen, dass die nächste Station auf einem anderen Erdteil zu finden ist: America. Um es kurz zu beschreiben: wir finden spontan schöne Hotels, immer mit direktem Blick zum Meer. Das Land zeigt sich von einer ruhigen, ja malerischen Seite. Zahlreiche Fischerboote in altehrwürdigen Häfen machen Appetit auf noch mehr Meeresspezialitäten und immer wieder überraschen uns die Einheimischen mit Freundlichkeit, natürlicher und ehrlicher Gastfreundschaft. Über dieses Land könnte man noch viel erzählen, schönes berichten oder man könnte einfach wieder kommen und es wieder von Neuem geniessen.

 

In diesem Sinne, Danke an die Reiseleitung für die Idee, die Organisation und die gelungene Umsetzung einer wiederum interessanten und lehrreichen Gewerblerreise.

Fredy Keller, Aktuar